Der will nur Spielen - was ist wirklich Spielverhalten?

Veröffentlicht am 22. August 2025 um 16:04

Was ist wirklich Spiel?
„Also wenn wir schon über Spielen reden, dann müssen wir eines klarstellen“, sagt Lenny, während er sich aufrichtet und die Vorderpfoten ordentlich vor sich abstellt. „Viele Menschen denken, dass Ballwerfen ein Spiel ist. Aber das stimmt nicht.“

„Wie bitte?!“, ruft Bui, die bis eben halb verdreht auf dem Sofa liegt und nun kurz aufgeregt die Rute hebt. „Aber Spielen ist doch toll! Rennen, raufen, Zergeln – all das liebe ich doch! Ich will doch einfach Spaß haben und mich bewegen!“

Fritzi hebt den Kopf, streckt die Vorderpfoten aus und blinzelt. „Genau, Bui. Aber Ballwerfen ist kein Spiel, egal wie aufregend es aussieht. Es ist immer dasselbe: hinterherrennen, zurückbringen, wiederholen. Da fehlt alles, was Spiel ausmacht – Rollenwechsel, Abwechslung, Kommunikation.“

Anka sitzt neben Bui, die Rute aufmerksam aufgestellt wie es sich für einen halben Appeinzeller gehört, und fragt nachdenklich: „Also meine ich, ich renne auch gern, aber das ist doch kein Spiel? Was ist dann richtiges Spiel?“

„Spiel ist abwechslungsreich, freiwillig und sozial“, erklärt Lenny, während er die Rute leicht hebt und den Blick durch den Raum schweifen lässt. „Beim Raufen liegst mal ich oben, mal du, Bui. Wir machen Pausen, übertreiben bewusst, wir kommunizieren. Genau das macht Spiel aus. Ball hinterherlaufen erfüllt das alles nicht. Es ist eher Beschäftigung, fast schon Training fürs Jagen.“

 

Freiwilligkeit, Rollenwechsel und Pausen
Bui hockt sich wieder hin, die Rute locker. „Also, wie merken wir denn, dass wir wirklich spielen? Ich will ja nicht aus Versehen nur trainieren oder so.“

„Ganz einfach“, sagt Lenny, die Ohren leicht nach vorne gestellt. „Wir achten auf die Signale der anderen. Pausen gehören dazu. Mal bin ich oben, mal du, Bui. Mal rennt Anka voraus, mal ich. Rollenwechsel nennt man das. Und wenn jemand sagt: ‚Stopp, mir reicht’s!‘ dann hören wir auf, ohne Murren.“

„Ahhhh“, sagt Bui und legt den Kopf schräg. „Also freiwillig und ohne Stress. Und Pausen sind erlaubt?“

„Genau“, antwortet Fritzi, während sie sich gähnend streckt. „Ohne Pausen wird das Ganze schnell anstrengend und verliert den Spaß. Und ein echter Tipp: Wenn jemand kurz weggeht oder sich zurückzieht, ist das keine Beleidigung. Es ist Teil des Spiels, ein Atemholen. Danach geht es weiter, vielleicht sogar mit einer neuen Idee.“

Anka wackelt begeistert mit der Rute. „Neue Idee? Wie meinst du das?“

„Na ja“, sagt Lenny, „wir können kreativ werden. Rollenspiele zum Beispiel: Ich jage dich, dann du mich, dann ziehen wir am Tau, dann verstecken wir Leckerlis. Alles abwechslungsreich, immer ein bisschen anders, nie genau dasselbe.“

„Und das Beste ist“, quietscht Bui, „dass wir dabei lachen können! Na ja, wir Hunde lachen mit den Augen und der Rute, oder?“

„Ganz genau“, sagt Fritzi trocken. „Und manchmal auch mit Geräuschen, die Menschen komisch finden. Aber genau das ist Ausdruck von Freude, von echtem Spiel.“

 

Mobbing erkennen und verhindern
„Und das Wichtigste“, sagt Lenny mit ernster Miene, „wir respektieren Grenzen. Wenn einer sagt ‚genug‘ oder sich zurückzieht, wird das akzeptiert. Spiel lebt vom Miteinander, vom Respekt, von kleinen Überraschungen. Wer Grenzen ignoriert, hört auf zu spielen und fängt an, zu streiten oder Stress zu erzeugen.“

Fritzi nickt zustimmend und fügt hinzu: „Manchmal passiert es, dass ein Hund immer wieder den anderen bedrängt oder keine Rücksicht nimmt. Das nennen Menschen Mobbing. Ein Hund, der gemobbt wird, verliert schnell die Freude, zieht sich zurück oder reagiert aggressiv – und dann macht das Spielen keinen Spaß mehr.“

„Oh“, sagt Bui, die neugierig die Ohren spitzt. „Also ist Mobbing, wenn ein Hund immer wieder übergangen oder geärgert wird?“

„Genau“, erklärt Lenny. „Typische Anzeichen sind, dass der bedrängte Hund flüchtet, die Ohren anlegt, die Rute einzieht oder sich sogar versteckt. Die Freude am Spiel verschwindet. Und dann sollte ein Mensch einschreiten.“

„Wie genau?“, fragt Anka.

„Indem er eingreift, bevor es eskaliert“, sagt Fritzi. „Man kann das Spiel unterbrechen, den bedrängenden Hund kurz ablenken, die Hunde trennen oder ihnen eine Pause gönnen. Danach kann man das Spiel neu starten, aber mit klaren Regeln: jeder darf seine Grenzen zeigen, und niemand darf übergangen werden.“

Bui nickt nachdenklich. „Ah, also richtiges Spiel funktioniert nur, wenn alle Hunde respektiert werden. Kein Mobbing, kein Überrennen, sondern Pausen und Rollenwechsel.“

„Genau“, sagt Lenny. „Wer sich daran hält, hat Spaß, bleibt gesund und lernt gleichzeitig, auf andere zu achten. Das ist das Geheimnis von echtem Spiel.“



Spiel junger Hunde – Schule fürs Leben
Bui springt aufgeregt auf und wedelt mit der Rute. „Aber warum spielen wir eigentlich so viel, wenn wir jung sind? Ich meine, ich bin noch drei, ich will immer toben!“

Lenny nickt verständnisvoll. „Ganz richtig, Bui. Junge Hunde spielen besonders viel. Das ist nicht nur zum Spaß – es bereitet uns auf das echte Leben vor. Beim Spielen üben wir Jagdverhalten, lernen, wann man zuschnappt und wann man aufhört, also Aggressionskontrolle. Wir lernen, Signale zu lesen, zu kommunizieren und Grenzen zu respektieren. Alles, was wir fürs Zusammenleben brauchen.“

Anka wedelt mit der Rute und fügt hinzu: „Und dabei üben wir auch, wie man kooperiert, wie man Taktiken wechselt, mal jagt man, mal wird man gejagt. Es ist ein ständiger Rollenwechsel, genau wie im richtigen Leben.“

Fritzi streckt sich und kommentiert trocken: „Man könnte sagen, wir trainieren fürs Leben. Wir lernen soziale Regeln, testen unsere Kraft, unser Timing, unsere Geduld. Und es macht Spaß – sonst würden wir es nicht tun.“

Bui hüpft aufgeregt um die beiden herum. „Ahhh, jetzt verstehe ich! Also Spielen ist nicht nur Spielen – es ist Schule fürs Leben! Und ältere Hunde, wie ihr, spielen auch noch, nur etwas ruhiger, oder?“

„Genau“, sagt Lenny. „Wir zeigen den Jüngeren, wie man fair spielt, wie man Grenzen respektiert und wie man Freude miteinander teilt. Das ist unser Job als erfahrene Hunde.“

„Und es ist gar nicht langweilig“, ruft Bui begeistert. „Man kann immer noch neue Sachen lernen, neue Strategien ausprobieren und sich gegenseitig überraschen. Spielen endet nie!“

„Richtig“, sagt Fritzi und legt die Pfoten aus. „Solange alle Hunde respektiert werden, Pausen gemacht werden und Abwechslung drin ist, bleibt das Spiel spannend, lehrreich und lustig. Und wir werden dadurch gesunde, glückliche Hunde.“

Wenn du mehr über Spielverhalten, Kommunikation zwischen Mensch-Hund und Hund -Hund lernen möchtest, bist du herzlich willkommen in der Mensch-Hund-Schule Dillkreis.

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